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Mein kleiner Beitrag: Warum ich einen Gesprächsabend für Frauen gegründet habe

Vier Frauen sitzen in einem bunten Raum zusammen und lachen, auf dem Tisch vor ihnen liegen Bücher
© Damian Santos / Pexels

Es gibt dieses Gefühl, das viele Frauen kennen: Man liest die Nachrichten, scrollt durch Kommentarspalten, hört, was andere Frauen erleben, und spürt eine Mischung aus Wut und Ohnmacht. Man möchte etwas tun und weiß nicht, wo man anfangen soll. Die Probleme sind so groß, und man selbst ist so klein.

Ich kenne dieses Gefühl gut.

Irgendwann wurde es auch für mich persönlich. Im Rahmen meiner Selbstständigkeit bin ich in eine Situation geraten, in der ich sexuell belästigt wurde. Das hat mich eine Zeit lang verunsichert. Aber ich bin selbstwirksam geblieben: Ich habe Anzeige bei der Polizei erstattet, mit Menschen darüber gesprochen und meinen Weg weiterverfolgt.

Bestärkt hat mich auch meine Arbeit an der Volkshochschule. Dort leite ich die Kursreihe „Die eigene Sexualität verstehen – Eine Kursreihe für Frauen*“. Auch in diesen Kursen erzählen Frauen von ihren Erfahrungen, von Sätzen, die sie ihr Leben lang begleiten, und von Scham. Und immer wieder sagen sie mir am Ende, wie gut es getan hat, einen Raum zu haben, in dem sie mit anderen Frauen über genau solche Themen sprechen können. Und zu erfahren, wie vielen Frauen es genauso geht.

Aus diesen Erfahrungen ist etwas gewachsen. Ich wollte nicht mehr nur wütend sein. Ich wollte etwas tun und erst einmal bei dem anfangen, was in meiner Hand liegt. Denn Veränderung im Großen beginnt für mich im Kleinen.

Daraus ist ein Gesprächsabend für Frauen entstanden. Er ist mein kleiner Beitrag zum Feminismus, und er ist aus einem Wunsch heraus entstanden, den ich erst später benennen konnte: dem Wunsch nach Selbstwirksamkeit.

Was ist Selbstwirksamkeit?

In der Psychologie beschreibt dieser Begriff die Überzeugung, dass ich durch mein eigenes Handeln etwas bewirken kann, auch in schwierigen Situationen.

Selbstwirksamkeit ist nicht dasselbe wie Selbstbewusstsein. Es geht nicht darum, wie viel ich von mir halte. Es geht darum, ob ich glaube, dass mein Tun einen Unterschied macht.

Und genau das fehlt vielen von uns, wenn es um die großen Themen geht. Gleichberechtigung, Gewalt gegen Frauen, Hass im Netz: Da fühlt man sich schnell wie eine Zuschauerin. Wer sich dauerhaft ohnmächtig fühlt, zieht sich irgendwann zurück. Das ist menschlich. Aber genau so bleibt alles, wie es ist.

Selbstwirksamkeit speist sich aus vier Quellen, und ich finde alle vier in unserem Gesprächsabend wieder.

1. Die eigene Erfahrung: „Ich habe etwas geschafft“

Die stärkste Quelle für Selbstwirksamkeit ist das eigene Erleben. Wenn ich etwas tue und merke, dass es wirkt, glaube ich beim nächsten Mal eher daran.

Für mich war das der Moment, als zum ersten Mal Frauen in einem Raum saßen, den ich geöffnet hatte, und miteinander gesprochen haben. Wirklich gesprochen, nicht Small Talk.

Ich war an diesem Abend unglaublich aufgeregt. Im Mittelpunkt stehen wollte ich nicht, denn es geht an diesen Abenden nicht um mich, sondern um uns und um unser aller Geschichten. Doch nachdem ich mich und meine Idee vorgestellt hatte, kam alles ins Rollen. Heute bin ich genauso Teil der Gruppe wie jede andere auch.

Und es gilt auch für die Frauen im Raum. Etwas auszusprechen, das man lange mit sich herumgetragen hat, und zu erleben, dass man gehört wird, ist selbst schon eine Erfahrung von Wirksamkeit.

2. Die Vorbilder: „Wenn sie das kann, kann ich das auch“

Wir lernen viel von anderen, besonders von Menschen, die uns ähnlich sind. Wenn eine Frau erzählt, wie sie in ihrem Alltag eine Grenze gesetzt hat, wie sie im Meeting nicht klein beigegeben hat oder wie sie einen sexistischen Witz nicht einfach hat stehen lassen, dann wird das für alle anderen vorstellbar.

Das passiert an unseren Abenden ständig. Es sind keine großen Geschichten, sondern Geschichten aus dem Alltag: ein Nein im richtigen Moment, eine Frage, die sich eine endlich zu stellen traut, ein Gespräch, das lange aufgeschoben war. Keine von uns würde sich dafür als Heldin bezeichnen. Und doch ermutigt jede dieser Geschichten eine andere. Vielleicht macht genau das Heldinnen aus: nicht das Große, sondern der Mut, die eigene Geschichte zu teilen und damit andere Frauen zu stärken.

3. Der Zuspruch: „Du darfst das“

Die dritte Quelle ist das, was andere uns zutrauen. Viele Frauen haben ihr Leben lang gehört, sie seien zu laut, zu empfindlich, zu emotional, zu viel.

In unserem Gesprächsabend gilt eine andere Regel: Jede Stimme zählt gleich. Ratschläge gibt es nur, wenn jemand darum bittet. Es geht nicht darum, Frauen etwas einzureden. Es geht darum, ihnen zu glauben und ihnen das Gefühl zu geben, dass keine von uns zu viel oder zu wenig ist, sondern genau richtig.

Das ist auch für mich eine Aufgabe. In einer Art Moderationsrolle achte ich darauf, dass alle gehört werden und zu Wort kommen. Wir sprechen offen miteinander, lernen, aufeinander zu achten, und bemühen uns um eine Gesprächskultur, in der auch die Frauen etwas ansprechen, die sonst eher leise sind.

4. Die Gefühle: „Meine Wut ist berechtigt“

Die vierte Quelle sind unsere Gefühle und wie wir sie deuten. Wer Angst oder Wut als persönliches Versagen versteht, fühlt sich schwach. Wer erkennt, dass diese Gefühle eine verständliche Reaktion auf echte Missstände sind, kann sie als Kraft nutzen.

Das ist vielleicht das Wichtigste, was an unseren Abenden passiert: Was sich lange wie ein persönliches Problem angefühlt hat, wird im Gespräch mit anderen Frauen als das erkennbar, was es ist, nämlich ein strukturelles Muster.

Gefühle haben bei uns Platz, und sie nehmen ihn sich auch. Wir geben ihnen Raum und fangen sie gemeinsam auf. Danach versuchen wir, sie in etwas zu verwandeln, das uns selbstwirksam werden lässt, statt uns in der Hilflosigkeit festzuhalten.

„Das Private ist politisch“, sagte die Frauenbewegung schon Ende der 1960er-Jahre. Diesen Satz kannte ich lange. Aber erst in unserem Kreis habe ich gespürt, was er bedeutet, und kann ihn heute viel besser annehmen.

Aus „ich“ wird „wir“

Es gibt den Begriff kollektive Selbstwirksamkeit: die gemeinsame Überzeugung einer Gruppe, dass sie zusammen etwas bewirken kann.

Ein Gesprächsabend verändert keine Gesetze. Er schafft keine Kitaplätze, schließt keine Lohnlücke und ist kein Förderprogramm für Frauen. Aber er verändert die Frauen, die daran teilnehmen. Sie gehen mit einem Satz nach Hause, mit einer Idee, mit dem Gefühl, nicht allein zu sein. Und sie tragen das weiter, in ihre Familien, an ihren Arbeitsplatz, in ihre Freundschaften.

So beginnt Veränderung. Nicht immer laut, aber beständig.

Ein sicherer Raum für alle

Unser Gesprächsabend ist ein Safe Space, ein geschützter Raum. Das Wort klingt manchmal nach Modebegriff, meint aber etwas sehr Konkretes: einen Ort, an dem wir sagen können, was uns bewegt, ohne bewertet, unterbrochen oder bloßgestellt zu werden. Was dort erzählt wird, bleibt dort.

Erst diese Sicherheit macht die vier Quellen der Selbstwirksamkeit überhaupt zugänglich. Wer Angst hat, belächelt zu werden, erzählt nicht, was gelungen ist. Wer fürchtet, als „zu emotional“ zu gelten, behält die eigene Wut für sich. Und wer schweigt, kann für niemanden ein Vorbild sein.

Ich erlebe an unseren Abenden immer wieder, was ein solcher Raum bewirkt. Frauen sprechen Sätze aus, die sie vorher noch nie laut gesagt haben. Sie merken, dass sie gehört werden. Und sie gehen gestärkt nach Hause.

Solche Räume brauchen nicht nur Frauen. Auch viele Männer haben kaum Orte, an denen sie über Unsicherheit, Überforderung oder Gefühle sprechen können, ohne dass es als Schwäche gilt. Ich bin überzeugt: Jeder Mensch braucht mindestens einen Raum, in dem er nicht stark sein muss, um gehört zu werden.

Warum es solche Räume für Frauen braucht

Es wird viel über Frauen gesprochen, in Medien, in der Politik, in sozialen Netzwerken. Aber erschreckend selten sprechen Frauen wirklich miteinander. Ohne Unterbrechung, ohne Relativierung, ohne das Gefühl, zu viel zu sein.

Ein Gesprächsabend für Frauen ist kein Seminar und keine Therapiegruppe. Er ist ein Ort des gemeinsamen Denkens. Niemand muss Bücher gelesen haben, um mitzureden. Die eigene Erfahrung ist Expertise genug.

Genau deshalb halte ich solche Räume für so wichtig, und genau deshalb habe ich einen geschaffen.

Und vielleicht ist das auch etwas für dich

Wenn du beim Lesen gedacht hast: „So etwas hätte ich auch gern“, dann möchte ich dich ermutigen, selbst einen Kreis zu gründen.

Du brauchst kein Budget, keinen Verein und keine Ausbildung. Du brauchst nur ein paar Frauen, denen du vertraust, einen ruhigen Ort, ein Thema und die Bereitschaft, den Anfang zu machen.

Das ist vielleicht der schönste Gedanke an Selbstwirksamkeit: Sie wächst, indem man anfängt.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich meine Erfahrungen gern weitergeben möchte. Deshalb schreibe ich gerade an einem Buch für alle, vor allem für Frauen, die selbst einen Gesprächsabend ins Leben rufen möchten. Es soll ihnen etwas an die Hand geben, damit der Anfang leichter fällt.

Und in der Beziehung?

Als Paarberaterin begegnet mir Selbstwirksamkeit auch in Beziehungen, vor allem dann, wenn sie fehlt.

Sätze wie „Das bringt doch eh nichts, mit ihm darüber zu reden“ oder „Sie ändert sich sowieso nicht“ zeigen, dass ein Paar den Glauben daran verloren hat, gemeinsam etwas bewegen zu können. Nach vielen Gesprächen, die im Streit geendet sind, ist das verständlich. Aber genau dann wird es gefährlich: Wer nicht mehr glaubt, dass Reden etwas verändert, hört irgendwann auf zu reden. Oft nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sich beide in einer Dynamik festgefahren haben, aus der sie allein kaum herausfinden.

Auch die Aufgabenteilung kann Selbstwirksamkeit untergraben. „Das kann er besser“, „Das macht sie eben immer“: So entstehen Bereiche, in denen sich eine Person nichts mehr zutraut und die andere alles tragen muss.

Die gute Nachricht ist, dass die vier Quellen auch für Paare gelten. Ein Gespräch, das gut gelaufen ist, macht Mut für das nächste. Andere Paare können Vorbilder sein, oder die beiden werden füreinander zur Inspiration und spornen sich gegenseitig an. Zuspruch stärkt. Und Gefühle, die verstanden statt bewertet werden, werden zur Kraft.

Übrigens lässt sich das Regelwerk, mit dem wir an unseren Abenden eine gute Gesprächsumgebung schaffen, direkt auf Paargespräche übertragen. Darüber schreibe ich bald in einem eigenen Beitrag.

Gedankenanstöße

  • Selbstwirksamkeit wächst, indem man anfängt, nicht, indem man darauf wartet, sich bereit zu fühlen.
  • Ohnmacht ist ein Gefühl und keine Tatsache.
  • Klein ist nicht dasselbe wie unwichtig.
  • Aus „ich“ wird „wir“, wenn wir einander zuhören.

Fragen zur Selbstreflexion

Für dich:

  • Wo fühle ich mich gerade ohnmächtig, und was davon liegt vielleicht doch in meiner Hand?
  • Wann habe ich zuletzt erlebt, dass mein Handeln etwas bewirkt hat?
  • Welche Frau in meinem Umfeld ist für mich ein Vorbild, und warum?
  • Wo habe ich einen Raum, in dem ich offen sprechen kann, ohne bewertet zu werden?
  • Mit wem könnte ich über die Themen sprechen, die mich als Frau bewegen?
  • Was wäre mein eigener kleiner Beitrag?

Für dich in deiner Beziehung:

  • Bei welchem Thema in unserer Beziehung habe ich aufgegeben, etwas verändern zu wollen?
  • Welche Aufgaben traue ich mir nicht mehr zu, weil mein Partner oder meine Partnerin sie „sowieso besser kann“, und umgekehrt?
  • Wann hatten wir zuletzt ein Gespräch, nach dem sich etwas verändert hat? Was war da anders?
  • Frage ich nach, ob mein Gegenüber einen Rat möchte oder einfach gehört werden will?

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